Osmanisches Bad in Arwad: Historisches Wahrzeichen droht zu verfallen

Osmanisches Bad in Arwad: Historisches Wahrzeichen droht zu verfallen

An der Westküste der Insel Arwad im Gouvernement Tartus steht ein osmanisches Bad als Zeuge einer bedeutenden historischen Epoche. Das Bauwerk befindet sich auf einem Felsvorsprung nahe den Überresten der alten Stadtmauer und diente während der osmanischen Zeit als privates Bad des Inselgouverneurs. Heute ist das historische Gebäude jedoch aufgrund langjähriger Vernachlässigung der Instandhaltungsarbeiten von einem massiven baulichen Verfall bedroht.

Die Anlage gliedert sich in zwei Hauptbereiche, das „Barrani“ und das „Juani“, die durch Torbögen miteinander verbunden sind. Zu den architektonischen Besonderheiten gehören die Badezimmer und eine große Kuppelhalle. Besonders markant ist die mit Fenstern ausgestattete Kuppel, die durch sogenannte „Qamariya“-Elemente Licht in den Innenraum lässt. Laut der „Enzyklopädie der Altertümer in Syrien“ waren die Innenwände einst in dominierenden Rottönen bemalt, was den hohen Anspruch an die architektonische Gestaltung und Funktionalität – etwa durch ein keramisches Entwässerungssystem – unterstreicht.

Historische Aufzeichnungen belegen, dass das Bad während eines schweren Sturms im Jahr 1918 erhebliche Schäden erlitt. In der Folgezeit setzten Feuchtigkeit und das maritime Klima dem Mauerwerk und dem Verbindungsmörtel kontinuierlich zu, was die statische Stabilität des Gebäudes schwächte. Der Leiter der Altertumsverwaltung von Tartus, Abd al-Hay al-Muhammad, stuft den aktuellen Zustand als kritisch ein. Insbesondere der südliche Teil des Gebäudes ist aufgrund der Witterungseinflüsse teilweise eingestürzt. Die letzte bauliche Maßnahme der Generaldirektion für Altertümer und Museen fand im Jahr 2004 statt.

Die historische Bedeutung des Standorts geht über die osmanische Ära hinaus. Al-Muhammad verweist auf in den Fels gehauene Höhlen und Vertiefungen in der direkten Umgebung, die vermutlich aus phönizischer Zeit stammen. Dieser Fund macht eine umfassende Untersuchung des Geländes erforderlich, die über das osmanische Bad hinaus auch die Beziehung zwischen den benachbarten Anlagen und den verschiedenen historischen Schichten einbezieht.

Die Bemühungen zur Restaurierung stehen zudem vor einer rechtlichen Hürde: Da sich das Gebäude in Privatbesitz befindet, ist eine direkte staatliche Intervention kompliziert. Die Altertumsverwaltung von Tartus steht derzeit mit den Eigentümern und Erben in Kontakt, um die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen für eine Sanierung zu klären. Fachleute betonen, dass jegliche zukünftige Maßnahme auf einer präzisen Dokumentation der verbliebenen Bausubstanz und der Schadstellen basieren muss, um den ursprünglichen Charakter dieses für Arwad bedeutenden Kulturerbes zu bewahren. Die Bewohner der Insel und Besucher warten nun auf konkrete Schritte, um den Verfall zu stoppen und dieses Zeugnis der Geschichte zu sichern.


Quelle: Syria Focus auf Arabisch

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